Daniel Könnecke

FCB Hamburg: Der designierte CEO Daniel Könnecke über seine neue Aufgabe und die Situation der Agentur

Die Überraschung war groß, als das FCB-Netzwerk Anfang voriger Woche einen neuen CEO für den deutschen Markt präsentierte. Daniel Könnecke, 36, soll ab Sommer das Gesicht der Interpublic-Agentur im deutschen Markt sein. 

Im Gespräch mit HORIZONT schildert er, wie er zunächst einen ganz anderen Job im Kopf hatte, wie er seine Rolle als Agenturchef definiert und wie es ist, in seinem Alter an der Spitze zu stehen.

FCB Hamburg hat mehrere Umbauten erlebt, gilt aber immer noch nicht als besonders attraktiv. Was reizt Sie an dem Job – außer, dass Sie jetzt wieder in Ihrer Heimatstadt arbeiten können Der Grund, bei Dentsu aufzuhören, war in der Tat, dass ich wieder zurück in die Heimat wollte. Ich habe einfach gemerkt, dass mein Herz an Hamburg hängt. Außerdem kam nach mehr als drei Jahren der Wunsch auf, etwas Neues zu machen.

Das allein erklärt noch nicht die Entscheidung für FCB. Ich finde es spannend, zu einer Agentur zu gehen, die international eine große Strahlkraft hat, ihre PS in Deutschland aber – warum auch immer – noch nicht richtig auf die Straße bringt. Das war bei Dentsu genauso. Mich reizen Challenger-Marken. Ich bin fest davon überzeugt, dass FCB großes Potenzial hat und möchte dabei helfen, dieses Potenzial besser zur Entfaltung zu bringen.

Sie haben bislang als Kreativer gearbeitet und werden jetzt CEO. Was qualifiziert Sie dafür? Das hatte ich nie im Kopf. Ich dachte eher, dass FCB jemanden sucht, der Digital-und Kreativkompetenz verbindet und dabei hilft, das Angebot zu erweitern. Dafür hätte ich ebenfalls gut gepasst.

Wieso hätte? Weil mir der weltweite Networkchef Carter Murray relativ schnell gesagt hat, dass er mich nicht als Kreativen einstellen
möchte. Da war ich im ersten Moment sehr überrascht. Dann hat er mir vorgeschlagen,dass ich CEO werde. Auf diese Idee wäre ich selbst wie gesagt nie gekommen. Aber je mehr ich darüber nachgedacht habe, desto klarer ist mir geworden, dass ich die Aufgabe unbedingt anpacken will.

Worin besteht denn aus Ihrer Sicht die Aufgabe? Es geht vor allem darum, das kreative Produkt zu schärfen und ganzheitlicher zu machen. FCB Hamburg ist in Sachen Markenführung top, das Gleiche gilt für die klassische Werbung. Was vielleicht noch fehlt, sind echte kreative Highlights, die die gesamte Klaviatur moderner Kommunikation nutzen. Dabei denke ich auch an Themen wie Produkt- und Servicedesign. Damit müssen sich Agenturen noch stärker befassen.

Für Wachstum und Neugeschäft zu sorgen gehört nicht dazu? Natürlich geht es am Ende auch darum. Das zu leugnen wäre Quatsch. Und Wachstum erzielt man heute nicht nur mit den Bestandskunden, sondern mit Neugeschäft. Um ehrlich zu sein, ist das sogar die Hauptaufgabe. Ich halte Wachstum für extrem wichtig für die Weiterentwicklung einer Agentur und ihrer Mitarbeiter. Nur so kommen neue Aufgaben hinzu, die einen besser machen. Nicht so gut gefällt mir dagegen der Gedanke, dass man ausschließlich wachsen muss, um reicher zu werden.

Das dürfen Sie in einer Agentur, deren Mutterkonzern an der Börse gelistet ist, aber nicht allzu laut sagen. Natürlich sehen das die Shareholder im Zweifel ein bisschen anders. Ich glaube nur, dass auch sie am Ende mehr davon haben, wenn wir uns vor allem auf das inhaltliche Wachstum konzentrieren. Dann kommt der wirtschaftliche Erfolg automatisch.

Wie hoch ist denn der Druck, schnell das Geschäft auszubauen? Ich mache mir nichts vor, natürlich gibt es Druck. Das Network wird bestimmt nicht sagen, jetzt lassen wir den Jungen mal in Ruhe und gucken nach fünf Jahren, was er alles erreicht hat. Es gibt jedoch keine konkreten Zeit- oder Umsatzvorgaben. Die sind auch nicht nötig. Die Agentur ist ja kein Sanierungsfall, hier steht alles auf einer sehr soliden Basis. Solide ist allerdings nicht das, was wir anstreben. Wir wollen mehr.

Das wollte die bisherige Chefin Erika Darmstaedter auch. Erikas Doppelfunktion war von Anfang an eine Übergangslösung. Es war immer klar, dass ihr Fokus auf der Führung des weltweiten Nivea-Etats liegt. Wenn sie mehr Zeit für die Weiterentwicklung der Agentur gehabt hätte, hätte sie sicherlich noch mehr erreicht.

Kann es sein, dass ihr schlicht die Vernetzung im deutschen Markt gefehlt hat und FCB nun wieder jemanden gesucht hat, der sich hier auskennt, nicht zuletzt auf dem Mitarbeitermarkt? Das müssen Sie die Network-Verantwortlichen fragen. Ich kann nur sagen, dass ich mich sehr auf die Zusammenarbeit mit dem bestehenden Managementteam freue. Ich betrachte Erika und die anderen Führungskollegen als Partner.

Wird Frau Darmstaedter denn an Sie berichten? Nein. Ihre Reportingline geht direkt zu Carter Murray. Das heißt aber nicht, dass ich nichts mit dem Kunden Beiersdorf zu tun haben werde. Die Federführung liegt allerdings bei Erika.

Wie verstehen Sie Ihre Rolle – als CEO und zugleich als oberster Kreativer? Nein, definitiv nicht. Dirk Haeusermann ist und bleibt der verantwortliche Kreative für das nationale Geschäft. Und bei Beiersdorf global hat Constantin Kaloff den Hut auf. Daran wird sich nichts ändern. Ich habe nicht vor, die Kompetenzen meiner Kollegen zu beschneiden. Im Gegenteil: Im Zweifel werde ich ihnen noch mehr Möglichkeiten geben, ihren Job auszufüllen.

Aber Sie können doch nicht aus Ihrer Haut als Kreativer und werden hier und da bestimmt mitmischen wollen. Natürlich. Aber eben immer als Teil eines Teams. So habe ich meine Rolle schon immer interpretiert. Das fängt damit an, dass ich auch als CEO kein festes Büro haben möchte. Ich werde mich dahin setzen, wo ich gerade gebraucht werde. Allein kann ich sowieso nicht viel bewegen. Ich bin kein Steve Jobs!

Dennoch sind Sie jetzt mit 36 Jahren der Chef – auch von Leuten, die mehr Erfahrung haben. Dirk Haeusermann war beispielsweise schon CD bei Springer & Jacoby, als Sie als Berufseinsteiger dort anfingen. Wie ist das für Sie? Für mich war das nie ein Problem. Ich habe immer mit Leuten zusammengearbeitet, die älter waren. Um deren Anerkennung zu bekommen, gibt es ein ganz einfaches Rezept: mitarbeiten. Wenn die Leute merken, dass man nicht nur rumlabert, sondern helfen kann, ein Problem zu lösen, spielt das Alter keine Rolle.

Nicht für Sie, aber vielleicht für den einen oder anderen Kollegen. Das glaube ich nicht. Und sollte es Zweifel geben, bin ich selbstbewusst genug, mir nicht die Butter vom Brot nehmen zu lassen. Aber mein Gefühl sagt mir, dass es da keine Probleme geben wird. Meine Kollegen begegnen mir auf Augenhöhe.

Wie ist das eigentlich für Sie selbst, jetzt CEO zu sein? Natürlich habe ich mich geschmeichelt gefühlt, als mir Carter und Erika diesen Posten angeboten haben. Aber ich werde sicher nicht abheben, nur weil ich jetzt CEO bin. Ich pflege keinen aufwendigen Lebensstil und brauche auch in Zukunft keine goldenen Wasserhähne. Vor allem will ich menschlich bleiben.

Kommen wir noch mal auf die eigentliche Aufgabe zu sprechen. FCB gilt immer noch als traditionell aufgestellte Werbeagentur, die sehr stark von dem Großkunden Beiersdorf abhängig ist. Wie wollen Sie das ändern? Das von Ihnen geschilderte Image wird der Realität nicht gerecht. Die Agentur ist weiter, als viele denken. Dennoch müssen wir uns der Wahrnehmung stellen. Ich habe noch kein fertiges Modell. Und ich glaube auch nicht, dass es das geben kann, ganz einfach deshalb, weil sich die Dinge heute rasend schnell verändern.

Sie werden doch aber so etwas wie einen Plan haben, oder? Ich glaube nicht daran, dass man heute noch mit Checklisten und festgelegten Prozessen arbeiten kann. Stattdessen müssen wir in einen Modus kommen, der ständiges Dazulernen ermöglicht. Ich will also kein Konzept einführen, das schon wieder veraltet ist, wenn wir es umsetzen. Viel näher liegt mir, gewisse Dinge in kleinen Gruppen auszuprobieren und sie zu übertragen, wenn sie funktionieren. Ich bin ein Fan von Prototyping und Open- Source-Modellen.

Und konkrete Ziele? Ich halte nicht viel davon, noch bevor man überhaupt angefangen hat, große Ziele in die Welt zu setzen. Trotzdem will ich natürlich etwas erreichen: FCB soll in absehbarer Zeit für einen ganzheitlichen Ansatz moderner Kommunikation stehen. Und gern lasse ich mich auch daran messen, ob wir Neugeschäft mit diesem Ansatz gewinnen.

Der Kopf
Daniel Könnecke, 36, wird im Sommer CEO der Interpublic- Tochter FCB Hamburg. Bis Anfang dieses Jahres war er als Kreativchef und Geschäftsführer der Agentur Isobar (früher: Dentsu McGarry Bowen) tätig. Weitere Stationen in seiner Laufbahn waren Plan.Net – dort war er am Aufbau des Hamburger Büros beteiligt –, DDB sowie Springer & Jacoby. Dort stieg er 2001 als Art Director ein. Seine berufliche Karriere startete er drei Jahre zuvor bei der Agentur Medienwerft.

Die Agentur
FCB Hamburg hat eine lange Tradition. Die Agentur wurde 1876 als Centrales Annoncen Büro William Wilkens gegründet und reklamiert für sich, Deutschlands älteste Werbeagentur zu sein. Heute gehört das Netzwerk zum US-Werbekonzern Interpublic. In Hamburg beschäftigt FCB aktuell rund 140 Mitarbeiter. Neben dem Großkunden Beiersdorf (Nivea) betreuen sie Marken wie DAS, Kölln, Mondelez und Golden Toast. Umsatzzahlen veröffentlicht die Agentur nicht.

Donnerstag, 18. September 2014 - FCB Hamburg

Best of Cannes Lions Festival 2014 – FCB HAMBURG lässt den Löwen auf die Hansestadt los

Das International Festival of Creativity, besser bekannt als Cannes Lions Festival, ist die bedeutendste Veranstaltung der Werbebranche. Der dort verliehene Cannes Löwe ist das Pendant zum Oscar – und ein absoluter Ritterschlag für den glücklichen Preisträger. Mit dem Mobile Grand Prix und 37 Löwen feierte FCB eines der erfolgreichsten Jahre beim 61. Cannes Lions Festival.

Donnerstag, 18. September 2014 - FCB Hamburg

NIVEA gewinnt Bronze bei den Euro Effies

FCB HAMBURG und Beiersdorf wurden auch in diesem Jahr mit dem Euro Effie, einem der wichtigsten europäischen Branchen-Preise für effektive Kommunikation, ausgezeichnet. Bei der Preisverleihung am 17. September in Brüssel holt die Kampagne für NIVEA In-Shower Body Lotion in der Kategorie FMCG eine Auszeichnung in Bronze.

Dienstag, 30. September 2014 - FCB Hamburg

Clara Schmidt-von Groeling wird Head of Planning bei FCB Hamburg

Clara Schmidt-von Groeling verstärkt FCB HAMBURG als Head of Planning. In dieser Position übernimmt sie die Leitung des Planning Teams und ist verantwortlich für die strategische Führung der Beiersdorf-Marke NIVEA im deutschen Markt sowie aller lokalen Kunden.

Mittwoch, 4. Februar 2015 - Carmen Meyer

MADE IN GERMANY Werbestadt – Älteste Werbeagentur in Hamburg

Wo sonst hätte die erste Werbeagentur Deutschlands gegründet werden sollen, wenn nicht in Hamburg. 1876 eröffnet das Centrale Announcen Büro William Wilkens. Schritt für Schritt wurde aus dem kleinen Büro ein Global Player - die Agentur FCB. Und auch Hamburg selbst gilt heute als Stadt der Werber.